|
Ein Mythos entsteht: Am südlichen Ende des Comer Sees liegt die Stadt Lecco. Der Reisende, der aus der Ebene um Mailand hierhin kommt, ist beeindruckt von der Landschaftlichen Schönheit der Region. Nach Lecco führt die Straße über eine lange Brücke hinein, und im Ort zeugt das Kopfsteinpflaster der Straßen von der langen Geschichte der Stadt. Die meisten Reisenden werden das nach links weisende Schild kaum wahrnehmen, doch für den interessierten Motorradfreund hat der Hinweis auf Mandello del Lario etwas Elektrisierendes. Dieser Ort ist nämlich die Heimat von Moto Guzzi. Die Straße dorthin klammert sich an die den See umgebenden Berge, verschwindet immer wieder unter Galerien, die vor Steinschlag schützen sollen, bis man nach rund zehn Kilometern zur Abfahrt Mandello del Lario kommt. Moto Guzzi's Geschichte ist bei weitem nicht so romantisch wie der Ort, in dem das Unternehmen seine Motorräder produziert. Die Geschichte beginnt am Ende des Ersten Weltkriegs mit dem Traum eines jungen Luftwaffen-Soldaten. Carlo Guzzi war ursprünglich am Anfang des Krieges zum Heer einberufen worden, wechselte jedoch später zur Luftwaffe, wo der erste Samen für eine Motorradlegende gelegt werden sollte. Nehmen Sie sich ruhig ein wenig Zeit, denn die Geschichte von der ältesten Motorradmarke Europas und zweitältesten der Welt, MOTO GUZZI, erzählt man nicht "mal eben so". Erleben Sie
mit, wie die Legende MOTO GUZZI begann und sich bis zum heutigen Tage
entwickelt hat: Wir schreiben das Jahr 1914, der erste
Weltkrieg beginnt.
deren Flugzeuge Carlo Guzzi zu warten hat. Ravelli hatte sich zu
diesem Zeitpunkt selbst schon ein Jahrzehnt lang einen Namen durch die
Teilnahme an einigen Motorradrennen gemacht. Da beide Piloten also begnadete
Rennfahrer sind, ist es für Carlo nicht schwierig, die beiden für seine Idee
zu begeistern. Giorgio
Parodi bittet seinen Vater Emanuele Vittorio Parodi, einen Genueser Reeder,
um finanzielle Unterstützung. Die Antwort des alten Herrn vom 3. Januar 1919
ist in die Geschichte von MOTO GUZZI eingegangen: Was der alte Parodi offensichtlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß – Giovanni Ravelli ist mit seinem Flugzeug wenige Tage nach Kriegsende, im September 1918, abgestürzt und dabei ums Leben gekommen. So machen
sich dann nur noch zwei, Carlo Guzzi und Giorgio Parodi an die
Arbeit. Dabei hätten die beiden Charaktere nicht verschiedener sein können. Guzzi war ein stiller, ständig in seine Arbeit vertiefter Zeitgenosse, der nie den sicheren finanziellen Weg verließ. Er war absolut kein Mann, der sich auf unnötige finanzielle Risiken einließ. Parodi auf der anderen Seite war ein impulsiver und farbiger Charakter. Vermutlich war es diese Mischung, die den Erfolg überhaupt erst möglich machte. Wäre der vorsichtige Carlo Guzzi auf sich alleine gestellt gewesen, hätten einige seiner genialen Lösungen vermutlich nie das Licht der Welt gesehen. Auf der anderen Seite, wenn Parodi alleine das Sagen gehabt hätte, wäre die Firma wahrscheinlich wie ein Komet gestartet, um dann ebenso schnell wieder zu verglühen. Der erste
Prototyp, der Mitte 1920 erschien, wird unter Mithilfe des Schmieds
von Mandello im Keller des Hauses Guzzi hergestellt. Dies war damals alles neu. Der Primärantrieb über Zahnräder ebenso wie die horizontale Montage des Motors samt Getriebe und die Kombination einer größeren Bohrung mit einem kleineren Hub. Der Rahmen war eine solide Konstruktion, die aus zwei um den Motor herum laufenden Rohren bestand. Zwei Federn vor der Lenksäule schluckten die Stöße der Straße. Schutzbleche, ein gefederter Sattel und eine Bremse am Hinterrad rundeten die Ausstattung ab. In der vorderen Radnabe saß ein riesiges Zahnrad für den Tachometer. Das Dreiganggetriebe wurde von einem großen Handgriff, der neben dem flachen Tank montiert war, bedient. Die Öffentlichkeit las zum ersten Mal am 15. Dezember 1920 im Magazin "Moto-Ciclismo' über die neue Maschine, die nun Moto Guzzi hieß. Giorgio Parodi hatte den neuen Namen veranlasst, weil er nicht wollte, daß man seine Initialen hinter der Abkürzung vermuten könnte. Wir schreiben den 15. März 1921. Mit einem Kapital von 500.000 Lire wird in Mandello die "Aktiengesellschaft Moto Guzzi" gegründet. Wie in Art. 4 der Satzung nachzulesen ist, lautet ihr Gegenstand: "Herstellung und Vertrieb von Motorrädern und jede sonstige Tätigkeit im Zusammenhang mit der Metallwarenindustrie". Es sind die ersten Schritte eines legendären Abenteuers, das Debüt einer Marke, die das Jahrhundert auf ausgebreiteten Schwingen durchqueren wird. Emanuele Vittorio Parodi, sein Sohn Giorgio Parodi und Carlo Guzzi sind die Gesellschafter des Unternehmens. Die
Geschichte von Moto Guzzi - seinen Motorrädern -
1921 erschien die "Tipo Normale", die einfachere Version
der G.P. . Das erste Rennen ist der "Raid Nord-Süd", ein Langstreckenrennen auf der zermürbenden Strecke von Mailand nach Neapel. Zwei Guzzis nehmen daran teil mit einem zunächst nicht allzu vielversprechenden Ergebnis. Sie belegen Platz 20 und 22. Der erste Sieg ist jedoch nur aufgeschoben. Nur dreißig Tage später, am 25. September 1921, gewinnt Gino Finzi auf einer Moto Guzzi die Targa Florio. Damit beginnt eine beeindruckende Erfolgsserie, die sich ohne Unterbrechung bis 1957 fortsetzt: In der umfangreichen Trophäensammlung von Moto Guzzi sind zum Zeitpunkt des Rückzugs vom Rennsport insgesamt 11 Siege bei der Tourist Trophy und 14 Weltmeistertitel zu verzeichnen. Diese ersten Erfolge erhöhen auf einen Schlag die Bekanntheit und die Nachfrage nach den Produkten des noch jungen Unternehmens. Im Jahre 1921 werden 17 Motorräder des Modells "Normale" gebaut und zu einem Preis von 8.500 Lire verkauft. Schnell wird die Produktion von der rein handwerklichen auf eine industrielle Fertigung umgestellt und ein neues 300 Quadratmeter großes Werksgebäude wird gebaut, in dem 17 Arbeiter ihren Lebensunterhalt verdienen. Der Aufstieg ist nicht mehr aufzuhalten. Die "Tipo Normale" bleibt mit geringfügigen Modifikationen, so wird 1922 statt der Verlustschmierungen eine Zahnradpumpe für den Oelkreislauf eingeführt, bis 1923 im Programm. 1922
Angelo Parodi,
Vetter von Giorgio Parodi und Ingenieur tritt in die Firma ein und übernimmt
die administrative Leitung. Im Jahre 1923
ist die Marke überall bekannt und die Produkte werden zum Objekt der
Bewunderung. Dann wird die erste Serien-Guzzi "Tipo Normale" von der "Tipo Sport" abgelöst, die über das leichtere Fahrwerk der Rennmaschine "C2V" und den Motor der "Normale" verfügt – allerdings in einer deutlich Leistungsgesteigerten Version. Eine Weiterentwicklung dieses Modells ist die "Sport 14" mit deutlich vergrößerten Kühlrippen am Zylinder. In diesem Jahr folgt der erste Vierventieler die "C4V" (eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Prototyps) mit 500 ccm, 22 PS bei 5500 Umdr/min. Die "C4V" wird im Laufe der Jahre immer schneller. 130, 149 und später gar 160 km/h schnell. Abgeleitet von dieser erfolgreichen Rennmaschine werden die "4VTT" mit 27 PS und die "4VSS" mit 30 PS für den Markt gebaut. In ihrer letzten Ausführung von 1932 hat sie eine Leistung von 32 PS und eine Spitzengeschwindigkeit von 170 km/h. Mit dem Gewinn der Europameisterschaft im September 1924 (die Weltmeisterschaft wird erst ab 1949 ausgetragen) in Monza ist der wohl wichtigste Moment im Leben des Unternehmens gekommen: Moto Guzzi belegt mit der "C4V" den ersten (mit Mentasti), zweiten und fünften Platz.
1924 verlassen bereits 713 Motorräder die Fabrik, doppelt so viele wie im Vorjahr. In den kommenden Jahren nehmen die Zahl der Mitarbeiter, die Produktionsmenge und der Umsatz sensationell zu. 1925 sind schon mehr als 300 Mitarbeiter in Mandello beschäftigt und es werden über 1200 Motorräder gebaut. Zwei Jahre später werden 10 Fahrzeuge pro Tag gefertigt. Carlo Guzzi beginnt mit dem Bau der 250er Rennmaschine Mionoalberto. 1928 werden die ersten "GT" (Gran Turismo) gebaut und 1931 durch die "G.T. 16" ersetzt. 1929 erreicht das Kapital 4.500.000 Lire und die Produktionszahl beläuft sich auf etwa 2.500 Stück.
1932 beschäftigt sich Guzzi auch mit kleineren Hubräumen. Zunächst kommt die "P 175" mit rund sieben PS, dann die "P 250", die neun PS leistet und es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h brachte. Die erfolgreichste und langlebigste Rennmaschine ist die "Bicilindrica", die einen 500er Zweizylinder -V-Motor mit 120 Gradzylinderwinkel. 1934 ist Moto Guzzi die Nummer eins der italienischen Motorrad-Hersteller. Die Hingabe und Leidenschaft, mit der in Mandello gearbeitet wird, zeigen sich in einem wichtigen Detail: Die immer noch manuell und mit handwerklicher Sorgfalt montierten Motoren werden von den Mechanikern handsigniert.
1935 Die Erfolge auf der Rennstrecke gehen mit den technischen Innovationen Hand in Hand. Stanley Woods gewinnt mit der Moto Guzzi T.T. mit Hinterradfederung die Tourist Trophy. Es ist der erste nicht englische Sieg seit 24 Jahren. Das Prinzip der Hinterradfederung wird schon bald bei allen Wettbewerbern eingesetzt. Die beiden Zweizylinder-Motorräder mit 250 und 500 cm³ ( Senior-TT ) Hubraum, auf denen Stanley Woods 1935 auf der Isle of Man seine Siege erringt, sind mit 120° V-Motoren ausgestattet. Stanley Woods war der Fahrer der "Bicilindrica", die den niedrigsten Spritverbrauch aller Spitzenmaschinen hatte. Das "Guzzi-Rot", die Farbe der Rennmaschinen, erobert die Herzen aller Fans und wird auch für die Serienmotorräder zu einem Erkennungsmerkmal. Historie und Legenden vermischen sich bei den Erfolgen der Piloten wie Tenni, dem bereits erwähnten Woods, Bruno Ruffo (geb. 09.12.1920), Enrico Lorenzetti (geb. 04.01.1911, gest. 08.1989, Weltmeister 1952) und Kent Andersson (geb. 01.08.1942). Die dreißiger Jahre erleben die Präsentation der Modelle P 175 und P 250, Vorfahren einer ganzen Dynastie mit den Versionen P.E., P.L., Egretta und Ardetta. Privatfahrern
stehen für den Rennsport speziell präparierte Modelle wie die Dondolino, die
Gambalunga und die Condor (1938-1940) zur Verfügung. Die Gambalunga, zum
Beispiel, wurde 1946 geschaffen und ist das erste "moderne"
Motorrad von Moto Guzzi. Die Gambalunga, die den offiziellen Rennfahrern
vorbehalten war, wurde bis 1951 auf den gemischten Rennstrecken eingesetzt,
wo sie gegenüber den Zwei-Zylinder-Maschine
handlicher war. 1939
kommt die Airone
250 mit Vierganggetriebe und Fußschaltung auf den Markt, ein Modell, das 15
Jahre lang die am meisten verkaufte Viertellitermaschine italienischer
Fertigung bleibt. Mit der "250 compressore" wird zum ersten Mal
eine Kompressor-Aufladung erprobt. Die Maschine wird mit der "Freccia
Azzura" ausgezeichnet, einem Preis für Motorräder, die gleichzeitig den
Stunden- und den Kilometerrekord halten. Inzwischen steht der zweite Weltkrieg vor der Tür und selbst vor diesem Hintergrund verschaffen sich Talent und Anpassungsfähigkeit der Guzzi-Konstrukteure Geltung: Die legendäre "Trialce", ein originelles zerlegbares Dreirad, wird eigens für den Fallschirmabwurf entwickelt. 1945 Nach Kriegsende verändert sich das Kaufverhalten der Kunden. Das Motorrad ist nicht länger ein Fahrzeug für sportlich ambitionierte Fahrer, für eine Elite gewandter und erfahrener Piloten. Es wird zum Fortbewegungsmittel für den täglichen Gebrauch, etwa für den Weg zur Arbeit. Damit ändern sich die Konstruktionsvorgaben für die Hersteller dramatisch. Wendige Motorräder mit kleinem Hubraum, wirtschaftlich in Anschaffung und Instandhaltung werden verlangt. 1947 wird Agostini
Duilio Prüfer und Kontrolleur für Carlo Guzzi und für Ingenieur Carcano,
dem Konstrukteur des legenderen V 2 (Zweizylinder) und des Achtzylinders.
Agostini wurde am 8.April 1926 in Mandello del Lario geboren. Seine Familie
war Besitzer des Hotels "Giardinetto", welches am Comer See liegt.
Hier verweilten und trafen sich sagenhafte Rennfahrer wie Omobono Tenni,
Stanley Woods, Bandini, Moretti und Prini, sowie auch die Führungskräfte von
Moto Guzzi. Er besuchte die Schule für mechanisches Design innerhalb des Moto
Guzzi Werkes und arbeitete im Kundendienstsektor bis zum Prüfer und
Kontrolleur berufen wurde.
1948
250 ccm mit zwei
Wellen waren die ersten Rennmaschinen, die in der Nachkriegszeit entworfen
wurden. Sie wurden auf verschiedenen Rennstrecken probiert, aber die
Resultate entsprachen nicht den Erwartungen. 1949 Bruno Ruffo (I) wird Weltmeister auf der 250er Guzzi, es ist die erste Weltmeisterschaft. Der obersten Mechaniker im Renn-Team waren Umberto Todero und Enrico Cantoni, der Designer war Giulio Cesare Carcano, der zu eine Legende wurde. 1950 Genau zur Mitte des
Jahrhunderts wird ein weiterer Klassiker geboren, der "Galletto",
der erste Roller mit großen Rädern, ein Konzept, das augenblicklich von
zahlreichen Herstellern aufgegriffen wird. Moto Guzzi verwendete bereits bei
der "Galletto" eine Einarmschwinge. 1951 Bruno Ruffo (I) wird Weltmeister auf der 250er Guzzi 1952 Enrico Lorenzetti (I) wird Weltmeister auf der 250er Guzzi 1953 nahm Agostini Duilio
am Rennen Milano-Taranto mit einer "Guzzi Dondolino" teil und
gewann dieses Rennen, womit er italienischer Meister wurde.
1954 Ende der 54er
Renn-Saison war den Verantwortlichen klar, das sie in der Königsklasse, auch
mit ihrem eigenen glücklosen und instabilen Reihenvierzylinder, der immer stärker
werdenden Konkurrenz von Gilera und MV die mit ihren starken Vierzylindern
immer mehr dominierten, nicht länger gewachsen waren. Selbst die
Einzylinderschmiede Norton dachte damals über einen Mehrzylinder nach. Nach
reiflichen Überlegungen entschied man sich für einen quer eingebauten 8-Zylinder-Motor
für die 500er Klasse. So entstand in der Rennabteilung von Mandello in
kürzester Rekordzeit das sensationellste Motorrad das je gebaut wurde. Nicht
mal die Japaner haben bis heute einen 8-Zylinder mit 500cc auf die Beine
gestellt. (Die 6-Zyl Honda mit 250cc ist auch so ein Wunderwerk, aber eben
nur 6). Die Urversion absolvierte ihre ersten Trainigsläufe bereits 1955. 1955 Giorgio Parodi
stirbt. Nur ein
freier Geist ohne Angst vor Träumen konnte den Versuch wagen, einen 8-Zylinder-Motor
zu entwickeln und diesen im schmalen Rahmen eines Zweirades unterzubringen.
Die Phantasie des Giulio Cesare Carcano kennt offenbar keine Grenzen:
die Guzzi "Otto cilindri" mit einer Leistung von 72 PS und einer
Höchstgeschwindigkeit von 275 km/h wird 1957 Wirklichkeit. Bill Lomas (geboren 1928 in Alfreton / England) wird Weltmeister auf der 350er Guzzi
1956 machen die
"Zigolo 98" und die "Lodola 175" Furore. Sie waren das
letzte persönliche Projekt von Carlo Guzzi. Bill Lomas wird Weltmeister auf der 350er Guzzi 1957 Man war noch am
Experimentieren, trotzdem schaffte Ken Kavanagh in Hockenheim mit der V8 die
schnellste Runde mit 199 km/h. MOTO GUZZI beschäftigt gegen Ende der fünfziger Jahre über 21.000 Mitarbeiter und ist eines der größten Zweiradwerke der Welt. Dazu kommen noch Filialen in Spanien und der Türkei. 1963 Carlo
Guzzi
ist inzwischen über 70 Jahre alt, dazu krank und schwach. Er stirbt im
November 1963. 1964 stand der erste Prototyp der V7. 1965 im Dezember wird die V7 mit einem quer eingebauten 704ccm V2-Motor in Mailand der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Ansehen der Firma Moto Guzzi, das nach dem Ausstieg aus dem Rennsport arg gelitten hatte, konnte durch die V7 wieder aufpoliert werden. 1966 Der von Ingenieur Lino
Tonti (geboren 1920 in Cattolica, Provinz Forlì) und Giulio Cesare
Carcano entwickelte und für Moto Guzzi charakteristische 90° V 2-Motor
geht in Produktion.
Im Jahre 1967
nach einer dreijährigen Krise, wurde die Aktiengesellschaft SEIMM (Società
Esercizio Industrie Moto Meccaniche) gegründet. Die neue Gesellschaft nahm
alle Modelle, an denen die Öffentlichkeit in den letzten Jahren wenig
gefallen zeigte, aus der Produktion heraus.
1969 kam die V7 Special mit 750 ccm heraus. Für den amerikanischen Markt erhielt sie den Namen "Ambassador". 1971 Die Guzzi "V 7
Sport" hat Premiere. Lino Tonti hatte um den seit 1966 gebauten
robusten V 2-Motor einen flachen Rahmen aus Dreiecksverbänden gezeichnet. Die
"V 7 Sport" lag bei hohem Tempo besser auf der Straße als der Rest
der Welt. 1973 gehört Moto Guzzi gemeinsam mit Benelli
zum Konzern (DE Tomaso Inc. Gruppen) des argentinischen Geschäftsmanns
Alessandro de Tomaso. Jetzt wird Moto Guzzi von der Gesellschaft GBM geführt,
eine Gesellschaft, die aus der endgültigen Zusammenlegung der Moto Guzzi von
Mandello und der Benelli von Pesaro entstanden ist. Das jetzige Werk breitet
sich auf einer Gesamtfläsche von 56.000 qm aus, davon 38.000 qm überdacht,
und hat ca. 500 Mitarbeiter.
1974 Mit dem Modell 850 T hielten die Neuerungen auch in den Tourenmodellen Einzug und lösten die V7 endgültig ab. 1975 Das Styling der Maschinen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die 1975
vorgestellt "254er" besitzt ein höchst ungewöhnliches Styling, das
so manchen Grundsatz, der sich in Jahrzehnten als gut und richtig erwiesen
hat, verwirft. So sind zum Beispiel die Instrumente auf dem Tank
angebracht. Mit der Folge, dass Normalgewachsene Piloten sie während der
Fahrt praktisch nicht ablesen können. Auch innerhalb des Werkes sind diese
Auswüchse äußerst umstritten. 1976 die Ölkrise war gerade überstanden da präsentierte Moto Guzzi
ein Motorrad, dessen Ausstrahlung heute noch das Markenimage mitprägt, wie
man es an der Edel-Version der V 11 bemerken kann: Die Moto
Guzzi "850 Le Mans". Das rote Geschoss wurde, da es sich so gut
verkaufte, fünf Mal aufgelegt, so dass die Ende 1976 präsentierte Ur-Version
in der Nomenklatur die I erhielt. Und genau dieses Urmodell ist heute unter
Sammlern am begehrtesten. Ab 1977 orientieren sich die Stylisten wieder mehr an klassischen Vorbildern, die Verwendung von Zweizylinder- V -Motoren sollen den Erfolg der großen GUZZI auf die kleineren V-Modelle abfärben lassen. 1984 - 1987 führte Dr. John Wittner Moto Guzzi
Gegen Ende der achtziger Jahre findet MOTO GUZZI seine Identität wieder. Motorräder wie die "Mille GT" oder die "1000S" verbinden moderne Technik – die neuen, eckigen Zylinder zum Beispiel – mit vertrauten, klassischen Styling-Elementen. 1994 kauft sich die italienische Handelsbank Finprogetti ein und organisiert den Betrieb neu. 1995 Erste Baureihe der Centauro. Vorgestellt im Dezember 1995 in Mailand. 1997 kommt die erste und zweite Serie auf den Markt. 1997 Auf der Intermot in Mailand stellt Moto Guzzi die neue "V10 Centauro GT" und die "V10 Centauro Sport" vor. 1998 erfolgt die Markteinführung. 1999 Die Fusion der MOTO GUZZI
Corporation mit der NAAC (North Atlantic Acquisition Corporation) wurde am 4.
März 1999 erfolgreich abgeschlossen: MOTO GUZZI ist die erste italienische
Motorradmarke, die am US-Finanzmarkt notiert ist. Als Ergebnis des
Zusammenschlusses mit der NAAC, die bereits an der NASDAQ gehandelt wird, ist
MOTO GUZZI demnach die erste italienische Motorradmarke, die am Kapitalmarkt
notiert ist und ab sofort an der NASDAQ Börse gehandelt wird. Gemäß den
NASDAQ-Bestimmungen für Notierungen, wonach der Aktienname nur aus vier
Buchstaben bestehen darf, wird MOTO GUZZI unter dem Zeichen GUZI gehandelt. 2000 Es hat nicht
gereicht; obwohl das Moto Guzzi-Management gekämpft hat wie die Löwen, war
eine Übernahme durch einen solventen Partner, am Ende unvermeidlich. Die Schulden der Vergangenheit
drückten zu schwer, der Adler kam aus eigener Kraft nicht mehr vom Boden los.
Eine Starthilfe musste her, und sie wurde gefunden: Im April 2000 wurde bei
Aprilia in Noale (Venedig) ein Vertrag zwischen Aprilia und Moto Guzzi über
den Verkauf der Moto Guzzi S.p.A. sowie der drei Handelsunternehmen Moto
Guzzi France S.a.r.l., MGI Motorcycle GmbH und Moto Guzzi North America Inc.
(die alle 100prozentige Tochterunternehmen der Moto Guzzi Corporation sind)
an Aprilia S.p.A. unterzeichnet. Unter neuer Führung wird Moto Guzzi S.p.A.
restrukturiert. Moto Guzzi wird als eigenständige Marke mit Sitz in Mandello
del Lario bestehen bleiben; und auch die Produkte werden - unter Nutzung der
technologischen und Forschungs- und Entwicklungs-Kompetenzen Aprilias -
beibehalten und weiterentwickelt.
2002 Breva V 750 i.e. "Ein frischer Wind" kommt auf den Markt.
Verkaufsstart 2003, Preis 7.650,00€ Einen der letzten
Knaller für das Modelljahr 2003 zündete das Werk auf der heimischen
Motorradmesse in Bologna. Der ultimative Kurvenräuber hört auf den Namen V11
Café Sport und zeichnet sich vor allem durch seine feinen Öhlins
Fahrwerkskomponenten, dem hohen Rohrlenker, sehr viel Charme und urbanen Look
aus.
Die Zeit der Depression ist nun vorüber. 2003 Nach den
Umstrukturierungsmaßnahmen in der Aprilia Motorrad GmbH und den damit
verbundenen Auslagerungen von Teilbereichen in die Aprilia-World-Service
Zentrale ( Lugano/ Schweiz ) wurde das technische Personal bei Moto Guzzi
Deutschland in Düsseldorf zum Jahresbeginn weiter aufgestockt. Neuer
technischer Leiter ist ab sofort Dipl.-Ing Ralf Kemper (41). Die Breva V 750 i.e. steht pünklich zum Sesonstart 2003 bei den Händlern. 2004 zwischen dem 28. und 30. Dezember, wird ein
Vertrag unterschrieben und die Piaggio-Gruppe übernimmt die Aprilia-Gruppe
inklusiv Moto Guzzi. Das italienische Motorradpool wird geboren, Moto Guzzi
gehört jetzt zu einer weltführenden Gruppe, die 1,5 Milliarden € umsetzt und
einen gesamteuropäischen Marktanteil von
2005 am 3. März, wird der 47-jährige Daniele
Bandiera als Verantwortlicher für die Umstrukturierung und den Neustart
der Fa. Moto Guzzi verpflichtet. Am 24. März wird in Mailand das Modell Breva
1100 offiziell vorgestellt. Dieses neue Motorrad weist einige technische
Neuerungen auf, wie z.B. bei der Kardankonstruktion und weitere
Verbesserungen des altbewährten V 90o luftgekühlten Motors, außerdem erfüllt
es bereits die Abgasnormen Euro3. Produziert wird wie eh und je in Mandello -
allerdings unter neuen, hochmodernen Produktionsbedingungen.
|